Schwerhörigkeit verstehen

– welche Arten es gibt und wie sie entstehen

Es ist Spieleabend. Das Wohnzimmer ist voller Stimmen, Lachen und jeder redet durcheinander. Doch jemand am Tisch runzelt leicht die Stirn. Die Regeln wurden erklärt – aber nicht alles kam an. Manche Worte verschwimmen, andere klingen, als kämen sie aus der Ferne. Ein kurzer Moment der Unsicherheit, den viele kennen – und der nicht nur ältere Menschen betrifft.

Schwerhörigkeit hat viele Gesichter. Bei manchen verändert sich das Hören langsam über die Jahre, bei anderen von heute auf morgen. Manchmal ist nur ein Ohr betroffen, manchmal beide. Entscheidend ist, die Unterschiede zu kennen – und rechtzeitig hinzuhören, wenn das Hören sich verändert.

Leitungs-Schwerhörigkeit – wenn der Schall nicht richtig ankommt

Bei dieser Form der Schwerhörigkeit wird der Schall nicht richtig weitergeleitet. Das Problem liegt meist im Außen- oder Mittelohr – dort gibt es etwas, das den Klang auf seinem Weg ins Innenohr stört. Der Ton kommt zwar an, aber er wird abgeschwächt oder blockiert, bevor er weiterverarbeitet werden kann.

Dadurch wird alles leiser, dumpfer oder klingt, als wäre man unter Wasser. Sprache bleibt aber oft noch verständlich – sie verliert nur an Klarheit.

Schwerhörigkeit: Mögliche Ursachen

Ohrenschmalz – medizinisch Cerumen – ist nichts Unangenehmes, sondern ein natürlicher Schutzmechanismus. Es hält Schmutz, Staub und Bakterien davon ab, tiefer ins Ohr vorzudringen und schützt so das empfindliche Innenleben unseres Gehörgangs.

Manchmal aber wird zu viel davon produziert – oder es wird durch Wattestäbchen tiefer ins Ohr gedrückt. Dann kann sich das Cerumen im Gehörgang sammeln, verhärten und einen sogenannten Pfropf bilden. Und genau dieser kann das Hören beeinträchtigen, weil er den Schall blockiert.

Dann kommt der Schall kaum noch durch – so, als hätte man ein Stück Watte im Ohr. Nach einer einfachen Reinigung hört man meist sofort wieder deutlich.

Nach einer Erkältung, bei Allergien oder vor allem bei Kindern kann sich Flüssigkeit im Mittelohr ansammeln. Das führt dazu, dass sich das Trommelfell nicht mehr frei bewegen kann – und Geräusche wirken plötzlich gedämpft, fast so, als würde man unter Wasser hören.

In vielen Fällen reguliert der Körper das ganz von selbst, und das Hörvermögen normalisiert sich wieder.

Bleibt die Flüssigkeit jedoch über längere Zeit bestehen, kann ein kleiner Eingriff nötig sein: Dabei wird das Trommelfell mit einem feinen Schnitt geöffnet, sodass die Flüssigkeit abfließen kann.

Ziel dieses kurzen Eingriffs ist es, den Druck im Ohr zu senken und Komplikationen wie Entzündungen vorzubeugen.

Otosklerose ist eine Erkrankung, bei der sich die feinen Gehörknöchelchen im Mittelohr nach und nach verhärten.

Diese kleinen Knochen haben eine entscheidende Aufgabe: Sie leiten Schallschwingungen vom Trommelfell ins Innenohr weiter. Wird ihre Beweglichkeit durch die Verhärtung eingeschränkt, funktioniert dieser Prozess nicht mehr richtig – der Schall kommt nicht mehr vollständig an, und das Hören wird spürbar schlechter.

In vielen Fällen kann eine Operation helfen. Dabei wird das betroffene Knöchelchen entweder durch ein winziges Implantat ersetzt oder wieder beweglich gemacht, sodass der Schall wieder ungehindert weitergeleitet werden kann.

Behandlung

Eine Leitungs-Schwerhörigkeit ist oft gut behandelbar. Je nach Ursache helfen eine Reinigung beim Arzt, Medikamente oder kleine Eingriffe. In vielen Fällen stellt sich das Hörvermögen vollständig wieder her – und alles klingt wieder so klar wie vorher.

 

Schallempfindungs-Schwerhörigkeit: Wenn das Innenohr betroffen ist

Diese Form der Schwerhörigkeit entsteht, wenn das Innenohr oder der Hörnerv geschädigt ist – also dort, wo die eigentliche „Verarbeitung“ des Klangs beginnt. Die häufigsten Ursachen sind dauerhafter Lärm, altersbedingte Veränderungen oder auch bestimmte Medikamente, die die empfindlichen Haarsinneszellen im Innenohr schädigen können.

Typisch ist, dass Sprache zwar noch gehört, aber nicht mehr klar verstanden wird – besonders in lauter Umgebung. Hohe Töne gehen oft als Erstes verloren, was dazu führt, dass Geräusche plötzlich dumpfer wirken oder manche Konsonanten schwer zu unterscheiden sind.

Da diese Hörschäden meist dauerhaft sind, lässt sich das Hörvermögen nicht einfach wiederherstellen. 

Aber: Moderne Hörsysteme können einen großen Unterschied machen. Sie verstärken gezielt die betroffenen Frequenzen und helfen dabei, Sprache wieder verständlicher zu machen – und so den Alltag deutlich zu erleichtern.

Kombinierte Schwerhörigkeit: Wenn gleich zwei Ebenen des Hörens gestört sind

Bei der kombinierten Schwerhörigkeit treffen zwei Probleme aufeinander: Eine Schalleitung im Außen- oder Mittelohr funktioniert nicht richtig und gleichzeitig ist das Innenohr oder der Hörnerv geschädigt. Man spricht hier von einer Mischung aus Leitungs- und Schallempfindungs-Schwerhörigkeit.

Was heißt das konkret?
Der Schall trifft schon geschwächt im Innenohr ein – zum Beispiel, weil der Gehörgang verstopft ist, das Mittelohr entzündet ist oder Knochenveränderungen wie bei Otosklerose die Weiterleitung stören.

Und selbst das, was noch durchkommt, wird im Innenohr nicht mehr richtig verarbeitet. Oft liegt das daran, dass die feinen Sinneszellen dort geschädigt sind oder der Hörnerv nicht mehr richtig arbeitet. So kommen zwar noch Töne an, aber sie wirken unklar, verzerrt oder bruchstückhaft – als würde das Ohr nicht mehr sauber "übersetzen", was es hört.

Für Betroffene bedeutet das:
Nicht nur ist der Klang insgesamt leiser – er kommt auch verzerrt oder unklar an. Besonders in geräuschvoller Umgebung wird das Sprachverstehen schwierig. Gespräche mit mehreren Personen werden zur Herausforderung, weil das Gehirn nicht mehr filtern kann, was wichtig ist und was nicht.

Die Versorgung ist oft komplexer als bei nur einer der beiden Formen. Normale Hörgeräte stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Stattdessen braucht es speziell angepasste Hörsysteme, die individuell auf beide Komponenten reagieren – also sowohl den Schall verstärken als auch die geschädigten Frequenzbereiche gezielt unterstützen.

In manchen Fällen reicht Technik allein aber nicht aus. Dann kann eine zusätzliche medizinische Behandlung, zum Beispiel eine Operation, nötig sein – etwa bei Otosklerose.

Und wenn der Innenohrschaden besonders stark ausgeprägt ist?

Dann kommen in Einzelfällen auch Cochlea-Implantate infrage. Sie übernehmen die Funktion der geschädigten Sinneszellen im Innenohr und leiten die Schallsignale direkt an den Hörnerv weiter. Besonders wenn Hörgeräte kaum noch Wirkung zeigen, kann ein Cochlea-Implantat eine echte Chance sein, das Sprachverstehen wieder deutlich zu verbessern.

Wer unter kombinierter Schwerhörigkeit leidet, braucht vor allem eines: eine ganzheitliche Diagnose und eine maßgeschneiderte Lösung, die alle betroffenen Bereiche berücksichtigt – vom Außenohr bis zum Hörnerv.

Sonderformen der Schwerhörigkeit: Weniger bekannte Ursachen erkennen

Nicht jede Hörminderung verläuft nach dem gleichen Muster. In einigen Fällen tritt sie plötzlich auf, betrifft nur ein Ohr oder entsteht durch Vorerkrankungen oder Medikamente. Auch Kinder können bereits mit einer Hörstörung zur Welt kommen – oft unbemerkt.

Solche weniger typischen Ursachen machen die Diagnose anspruchsvoller, aber auch besonders wichtig. Früh erkannt, lässt sich oft deutlich besser und konkreter etwas tun.

Ein Hörsturz trifft die meisten Menschen völlig unerwartet. Plötzlich klingt auf einem Ohr alles dumpf, seltsam fern – in manchen Fällen scheint der Ton komplett zu verschwinden, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Nicht selten kommt noch ein Pfeifen oder Rauschen dazu, das betroffene Ohr wirkt „verrauscht“. Das weist oft auf einen Tinnitus hin, der übrigens gar nicht so selten gemeinsam mit einem Hörsturz auftritt.

Was genau dahintersteckt, bleibt nach wie vor unklar. Einige vermuten eine gestörte Durchblutung im Innenohr – andere machen Infekte oder auch hohen Stress dafür verantwortlich. Sicher ist nur: Man sollte nicht zögern. Wer plötzlich schlechter hört oder ungewöhnliche Geräusche im Ohr wahrnimmt, sollte lieber früher als später ärztliche Hilfe suchen, am besten direkt in einer HNO-Praxis.

Ob und wie gut sich das Hörvermögen wieder fängt, hängt maßgeblich davon ab, wann die Behandlung beginnt. Ärztinnen und Ärzte setzen meist Kortison ein, um die Entzündung einzudämmen und den Druck im Ohr zu verringern. Das verbessert oft die Heilungschancen – und manchmal verschwindet mit etwas Glück sogar der begleitende Tinnitus.

Manche Kinder kommen mit einer Hörminderung zur Welt – häufig ohne dass es sofort auffällt. Ursachen können genetisch sein oder mit Komplikationen in der Schwangerschaft zusammenhängen, etwa Infektionen wie Röteln oder eine unbemerkte Cytomegalie-Infektion (CMV).

Früherkennung ist entscheidend. Deshalb gehört ein Hörscreening heute zur Standarduntersuchung bei Neugeborenen. Wird die Schwerhörigkeit früh erkannt, stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung: moderne Hörsysteme, Cochlea-Implantate und begleitende Therapien für Sprach- und Hörentwicklung.

Wenn nur ein Ohr betroffen ist, fällt das Problem oft erst spät auf – vor allem bei Kindern. Auch Erwachsene bemerken es häufig erst, wenn das Richtungshören eingeschränkt ist oder Gespräche in lauter Umgebung anstrengender werden.

Die Auslöser können sehr unterschiedlich sein – von einfachen Infekten über einen plötzlichen Hörverlust bis hin zu seltenen Tumoren wie einem Akustikusneurinom.

Wie behandelt wird, hängt stark vom Einzelfall ab. Infrage kommen unter anderem herkömmliche Hörgeräte, spezielle CROS- oder BiCROS-Systeme oder implantierbare Hörlösungen. Diese übertragen den Schall vom betroffenen Ohr auf die gut hörende Seite – damit wichtige Geräusche und Sprache nicht verloren gehen.

Auch der allgemeine Gesundheitszustand kann das Hören beeinträchtigen. Einige Grunderkrankungen – ebenso wie bestimmte Medikamente – haben nachweislich Einfluss auf das Hörvermögen. Häufige Auslöser sind zum Beispiel:

  • Diabetes mellitus – kann durch Gefäßschäden das Innenohr beeinträchtigen
  • Autoimmunerkrankungen – das Immunsystem greift dabei körpereigenes Gewebe an, auch das Ohr
  • Nierenerkrankungen – stören den Flüssigkeitshaushalt, was sich auf das Innenohr auswirken kann

Darüber hinaus gelten einige Medikamente als ototoxisch, also gehörschädigend – zum Beispiel bestimmte Antibiotika, Chemotherapien oder hochdosierte Schmerzmittel. Bei längerer Einnahme oder bestehender Hörminderung sollte die Medikation ärztlich überprüft werden.

Schwerhörigkeit ist nicht immer sofort greifbar – gerade bei eher ungewöhnlichen Formen lohnt es sich, genauer hinzuhören, im wahrsten Sinne. Wenn einem auffällt, dass das Hören irgendwie „anders“ ist, sollte man das nicht auf die lange Bank schieben. Wer früh genug hinschaut – oder besser gesagt: hinhört – hat deutlich bessere Chancen, der Ursache auf den Grund zu gehen und gezielt etwas dagegen zu tun.

Gutes Hören beginnt mit der richtigen Diagnose

Wenn es ums Hören geht, ist eine präzise Diagnose entscheidend. Die Zusammenarbeit zwischen HNO-Arzt und Hörakustiker spielt dabei eine zentrale Rolle – beide bringen spezielles Wissen ein, das sich ideal ergänzt.

Bei uns erhalten Sie in der Regel schnell einen Termin – ohne lange Wartezeiten. Mit einem professionellen Hörtest (Audiogramm) lässt sich zuverlässig feststellen, ob eine Schwerhörigkeit vorliegt und wie stark sie ausgeprägt ist. Bestätigt sich der Verdacht, führt der nächste Schritt zum HNO-Arzt: Nur dort kann das notwendige Rezept für ein Hörgerät ausgestellt werden – die Voraussetzung für eine gezielte und passgenaue Versorgung.

Kurz gesagt: Je früher erkannt wird, was hinter der Hörveränderung steckt, desto besser lässt sich etwas dagegen tun.

Deshalb braucht das Gehör regelmäßige Aufmerksamkeit

Schwerhörigkeit entwickelt sich oft langsam – und viele merken erst spät, dass das Gehör nachlässt. Deshalb empfehlen wir: Lassen Sie Ihr Gehör einmal im Jahr überprüfen. Ein kurzer, schmerzfreier Hörtest reicht meist schon, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Bei uns – Ihrem Lieblingsakustiker in Wiesbaden – bekommen Sie schnell einen Termin, ohne lange Wartezeiten. Wir nehmen uns Zeit für Sie, hören zu und besprechen in Ruhe, wie es um Ihr Hören steht. Sollte der Test eine Einschränkung zeigen, begleiten wir Sie auf dem weiteren Weg – zum Beispiel auch bei der Vorbereitung auf den HNO-Termin für ein Rezept.

Sie möchten wissen, wie gut Ihr Gehör aktuell ist? Dann kommen Sie einfach vorbei oder rufen Sie uns an.

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