Wie funktioniert das Ohr – und wie funktioniert das Gehör wirklich?

Der Hörvorgang: Wie Schall das Ohr erreicht

Jemand sagt Ihren Namen und noch bevor Sie bewusst reagieren, hat Ihr Ohr längst begonnen zu arbeiten. Genau hier stellt sich die Frage: Wie funktioniert Hören eigentlich?

Alles beginnt mit einer Schallwelle. Sobald eine Stimme spricht, Musik spielt oder eine Tür zufällt, entstehen feine Bewegungen in der Luft. Diese Bewegungen breiten sich aus, durchqueren den Raum und erreichen schließlich Ihr Außenohr.
Die Ohrmuschel fängt diese Schallwellen auf und formt sie gewissermaßen vor. Ihre geschwungene Struktur hilft dabei zu erkennen, aus welcher Richtung der Schall kommt. Noch bevor Sie darüber nachdenken, beginnt hier bereits das Richtungshören. Ihr Ohr nimmt also nicht nur Geräusche auf, es sortiert sie nach ihrer Herkunft.

Von dort gelangen die Schallwellen in den äußeren Gehörgang, einen schmalen Kanal, der mit empfindlicher Haut im Gehörgang ausgekleidet ist. Diese Haut produziert Ohrenschmalz, das Staub und kleine Partikel bindet und so das empfindliche Hörorgan schützt. Der Bereich des äußeren Gehörgangs wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, übernimmt jedoch eine wichtige Aufgabe: Er bündelt die Energie der Luftbewegung und leitet sie gezielt weiter.
Am Ende dieses Weges erreichen die Schallwellen das Trommelfell. Diese feine Membran bildet die Grenze zwischen dem äußeren Abschnitt und dem Mittelohr. Sobald die Schallwellen treffen, gerät das Trommelfell in Bewegung. Damit beginnt der Hörvorgang.

Eine unsichtbare Bewegung wird so in eine mechanische Bewegung im Körper umgesetzt und weitergegeben.
Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle, wie genau das Ohr eigentlich arbeitet. Tatsächlich funktioniert das Ohr über dieses Prinzip: Luftbewegung trifft auf das Trommelfell, das in Bewegung gerät und diese Energie Schritt für Schritt weitergibt.
So beginnt die Funktion des Ohrs – mit einer unsichtbaren Schallwelle, die am Trommelfell ankommt.

Das Mittelohr: Bewegung, die verstärkt wird

Die Bewegung des Trommelfells bleibt nicht an Ort und Stelle. Direkt dahinter beginnt das Mittelohr, ein kleiner, luftgefüllter Hohlraum, der auch Paukenhöhle genannt wird. In diesem geschützten Raum sitzen drei Gehörknöchelchen – die kleinsten Knochen des Körpers.

Sie heißen Hammer, Amboss und Steigbügel. Diese winzigen Knochen greifen exakt ineinander. Sobald sich das Trommelfell bewegt, werden die mechanischen Schwingungen auf sie übertragen. Der Hammer nimmt die Bewegung auf, gibt sie an den Amboss weiter, und von dort gelangt sie zum Steigbügel. Amboss und Steigbügel wirken dabei wie ein präzises Hebelsystem: Die ursprüngliche Bewegung wird verstärkt und schließlich auf das Innenohr übertragen.

Zwischen Mittelohr und Innenohr liegt eine kleine Öffnung, das sogenannte ovale Fenster. Dort setzt der Steigbügel an und gibt die verstärkte Energie weiter.

Damit dieser Ablauf reibungslos funktioniert, sorgt die sogenannte Eustachische Röhre, auch Ohrtrompete genannt, für den Druckausgleich. Bleibt dieser Ausgleich aus, entsteht ein spürbares Druckgefühl.

Damit das Gehör arbeiten kann, muss diese verstärkte Bewegung nun in eine andere Form gebracht werden.

Innenohr und Cochlea: Wie in der Hörschnecke Signale entstehen

Im Innenohr beginnt ein mit Flüssigkeit gefüllter Bereich. Diese Flüssigkeit nennt man Lymphe. Sobald die verstärkte Bewegung dort ankommt, gerät sie in Fluss.

Im Zentrum liegt die Cochlea, auch Schnecke oder Hörschnecke genannt. In ihr befinden sich winzige Sinneszellen – die Haarzellen oder Haarsinneszellen. Sie reagieren sensibel auf die Bewegung der Flüssigkeit.

Je nachdem, wie stark sich die Flüssigkeit in der Hörschnecke bewegt, werden unterschiedliche Abschnitte angeregt. Hohe Töne treffen andere Bereiche als tiefe. Darum klingt ein Pfeifen anders als ein tiefes Grollen.

Unser Gehör erkennt dabei selbst kleinste Unterschiede. Ein tiefes Brummen fühlt sich anders an als ein hoher, fast schriller Ton – und auch sehr hohe Klänge bis etwa 20.000 Hertz können wir wahrnehmen.
Die Haarzellen reagieren auf diese Bewegung und geben die Information an den Hörnerv weiter. Von dort gelangt sie ins Gehirn.
Dort werden die Informationen verarbeitet. Sie erkennen Stimmen, unterscheiden Geräusche und können einschätzen, aus welcher Richtung ein Ton kommt. Erst hier entsteht das bewusste Hören – die auditive Wahrnehmung.

Arten von Hörverlust: Wenn das Gehör gestört ist

Das Innenohr arbeitet hochpräzise, ist jedoch empfindlich. Besonders die Haarzellen reagieren sensibel auf starke Belastung. Dauerlärm, Infektionen oder altersbedingte Veränderungen können dazu führen, dass diese Sinneszellen geschädigt werden.

Sind Haarsinneszellen zerstört, können sie sich nicht erneuern. Die Folge ist Hörverlust. Bestimmte Frequenzen werden nicht mehr zuverlässig verarbeitet. Oft betrifft das zunächst hohe Töne. Gespräche wirken undeutlich.

Man unterscheidet verschiedene Arten von Hörverlust:
• Manchmal wird die Bewegung im Ohr nicht richtig weitergeleitet. Dann kommt der Schall nicht vollständig dort an, wo er weiterverarbeitet werden soll.
• In anderen Fällen liegt das Problem im Innenohr selbst. Dort arbeiten die empfindlichen Sinneszellen nicht mehr zuverlässig.
• Ein Hörsturz kann plötzlich auftreten. Von einem Moment auf den anderen klingt alles dumpf oder verzerrt, oft nur auf einem Ohr.

Wenn die Nervenimpulse das Gehirn nicht vollständig erreichen, wirken Geräusche undeutlich. Sprache verliert an Klarheit, und das Gehör fühlt sich „verändert“ an.

Hörnerv und Schallverarbeitung im Gehirn: So funktioniert Hören

Wenn man den gesamten Weg betrachtet, wird deutlich, wie präzise dieses System arbeitet:

• Luftbewegung erreicht das Ohr.
• Das Trommelfell reagiert und setzt kleine Knochen in Bewegung.
• Die Energie wird verstärkt und an das Innenohr weitergegeben.
• In der Hörschnecke wird Bewegung in Nervenimpulse umgewandelt.
• Über den Hörnerv werden diese Impulse ans Gehirn weitergeleitet.
• Im Hörzentrum des Gehirns entsteht bewusste Wahrnehmung.

Erst wenn all diese Schritte reibungslos ineinandergreifen, hören Sie klar und differenziert. Sprache, Musik und Warnsignale entstehen durch das Zusammenspiel aus mechanischer Weiterleitung und der Verarbeitung im Gehirn.

So funktioniert das Ohr.
So funktioniert das Gehör.
Und so funktioniert Hören im Alltag.

 

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